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Die heutigen verwandten Arten der fossilen Pflanzen, die vor 10 Millionen
Jahren gemeinsam in der Niederlausitz wuchsen, sind überwiegend in
den sommergrünen Laub- und Mischwäldern (Buchenklima) der Nordhemisphäre,
vereinzelt auch in den südlich anschließenden immergrünen
Feucht- und Lorbeerwäldern (Virginia-Klima) verbreitet. So treffen
wir ca. ein Drittel der Arten im östlichen bis südöstlichen
Nordamerika, welches mit dem Stromgebiet des Mississippis auch ähnliche
Landschaftsformen aufweist, ein weiteres Drittel in Ostasien und den Rest
in Mittel- und Südeuropa sowie in Transkaukasien bis Nordiran an.
Im Tertiärwald sind deshalb Pflanzengesellschaften,
die heute in unterschiedlichen Gegenden vorkommen, miteinander kombiniert.
Kohlemoor
Hier wird eine Moorlandschaft
nachgestaltet, wie sie vor 17 Millonen Jahren, zur Zeit der Bildung
des in den Tagebauen gewonnenen 2. Niederlausitzer Braunkohlenflözes,
in weiten Teilen der Niederlausitz anzutreffen war.

Kohlemoor
Im Gegensatz zur Flußlandschaft
des Tertiärwaldes war das Kohlemoor sehr nährstoffarm,
es blieb vom Fluß, der Sedimentmaterial und Nährstoffe
mitbrachte, weitgehend unberührt. Die Moorablagerungen bestanden
fast nur aus Pflanzensubstanz als Ausgangsmaterial für die
Kohlebildung.
In der Kohle sind gut erhaltene größere Pflanzenreste
wie im Blätterton von Wischgrund selten. Untersuchungen der Braunkohle,
meist im mikroskopischen Bereich, zeigen uns eine Abfolge verschiedener
Moortypen, die sich in einem subtropischen Klima nacheinander, einer aus
dem anderen entwickelten.
Heutige vergleichbare Pflanzen wachsen in subtropischen
Gebieten Ostasiens, Nordamerikas und des Mittelmeergebietes.
Die Moorentwicklung begann mit Sumpfwald, in dem
die Wasserfichte, eine Verwandte der Sumpfzypresse, wuchs. Der von diesem
Moortyp gebildete Torf wurde zum Substrat für das folgende Buschmoor,
ein dichtes immergrünes Moorgebüsch mit Magnolien und Heidekrautgewächsen.
Wo der Boden fest genug war, wuchsen auch Eichen mit schmalen ganzrandigen
Blättern, Spießtanne und Mammutbaum. Absenkung des Untergrundes
und dadurch bedingter höherer Wasserstand führte zu einem Riedmoor
(Grasmoor) mit Seggen und Wollgras, auf offenen Wasserflächen Seerosen
und auf festeren Standorten Gagelsträucher. Bei Verlandung entwickelte
sich daraus ein Kiefern-Waldmoor mit Fächerpalmen, Sicheltannen,
Heidekrautgewächsen und Gagelsträuchern. Bei weiterer Verlandung
folgte ein Schirmtannen-Hochmoor.
Diese verschiedenen Moortypen können sich in Abhängigkeit vom
Wasserstand auch nebeneinander entwickeln, wie es in unserem Kohlemoor
dargestellt wird.
Mammutbaumstubben
Der fossile Mammutbaum-Stubben wurde im Tagebau
Klettwitz im 1. Lausitzer Flözhorizont gefunden. Er ist mit
einem Stammdurchmesser von 3,20 m und einem Wurzelstockdurchmesser
von 5,00 m das größte Sammlungsstück des Museums.
Dieser Nadelbaum lebte vor 15 Millionen Jahren inmitten des Niederlausitzer
Kohlemoores auf einer kleinen Sandkuppe und erreiche ein Lebensalter
von etwa 1200 Jahren, wie an den Jahresringen abzählbar ist.
Nach Holzuntersuchungen gehört der Stubben zur fossilen Art
Sequoioxylon gypsaceum, die dem heutigen Küstenmammutbaum (Sequoia
sempervirens) entspricht.

Fossiler Mammutbaumstubben
Findlingsallee
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Die während des Quartärs
mit dem Inlandeis aus Skandinavien und dem Ostseeraum bis in unser
Gebiet transportierten Findlinge kommen in großer Anzahl durch
den Braunkohlenbergbau zu Tage.
So konnte eine Kollektion von ausgewählten
skandinavischen Leitgeschieben (z.B. Rapakiwi-Granit aus Finnland,
Ostseeporphyr aus der Ostsee, Dalaquarzit aus Mittelschweden, Schonenbasalt
aus Südschweden, Larvikit aus Norwegen) aus Niederlausitzer
Tagebauen zu einer Findlingsallee zusammengestellt werden.
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Teil der Findlingsallee
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Von der Idee zur Museumsanlage
In Zusammenarbeit mit der Station Junger Naturforscher
und Techniker wurde 1985 von Ursula und Rolf Striegler (Mitarbeiter des
Bereiches Geologie des Museums) mit der Verwirklichung ihrer
Idee, den Tertiärwald als Nachbildung der Wischgrundflora zu gestalten,
im Imkergarten der Station begonnen. In Abstimmung mit den Cottbuser Stadträten
für Umweltschutz und Kultur fand man dann aber ein besser geeignetes
Gelände von ca. 1 ha Größe zwischen Tierpark und Pressefestgelände
in der Spreeaue mit feuchten Senken und dazu parallelen Wällen, ideal
für das Nebeneinander der für Wischgrund nachgewiesenen Pflanzengesellschaften.
Hier wurde 1987 begonnen, den Tertiärwald nach einer Konzeption von
U. Striegler als Außenanlage des Museums der Natur und Umwelt anzulegen.
Erste Baumspenden kamen aus dem Forstbotanischen
Garten Tharandt, dem Botanischen Garten Dresden und dem Arboretum des
Naturkundemuseums Berlin.
Praktische Hilfe gab es von weiteren Museumsmitarbeitern
und vom Jugendklub des Museums "Ludwig Leichhardt".
Seit der Gründung des
Naturwissenschaftlichen Vereins
der Niederlausitz e.V. übernahm
er größtenteils die Betreuung des Tertiärwaldes, unterstützt
durch Fördermittel des Ministeriums für Forschung, Wissenschaft
und Kultur des Landes Brandenburg.
Als die Bundesgartenschau 1995 nach Cottbus kam, gab es
einen weiteren Partner, denn der Tertiärwald wurde als Niederlausitz-typisches
Element in die Schau einbezogen. In fast 15 Jahren ist der Tertiärwald
schon zu einer anschaulichen Anlage herangewachsen, der ca. 750 Gehölze
in über 100 verschiedenen Arten aufweist, von der Sumpfzypresse -
der wohl typischsten Pflanze des Tertiärs - sind alleine 172 Exemplare
vorhanden.
Im Rahmen der Bundesgartenschau wurde nach einer Konzeption
von Dr. Wilfrid Schneider (Hoyerswerda) auch das Niederlausitzer Kohlemoor
auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse nachgestaltet.
Da die kohlebildenden Pflanzen in einem etwas wärmeren Klima wuchsen,
als wir es heute haben, muß ein Teil, wie Palmen, Lorbeer, Zimtbaum
und sogar die Wasserfichte, als Kübelpflanzen im Winter ins Kalthaus,
was von der Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG) finanziell unterstützt
wird.
Im Tagebau Klettwitz wurde 1982 die Oberfläche des
Mammutbaumstubbens durch einen Bagger freigelegt und im Rahmen einer Sammelexkursion
durch die damaligen Mitarbeiter
des Museums Cottbus U. Striegler und R. Striegler sowie den Schüler
Michael Steiner entdeckt. Der Fund wurde in einer mehrtägigen (!!!)
Aktion durch die Kumpel im Tagebau geborgen. Mit seinen 22-25 t erwies
sich der Stubben bald als ein schwer beherrschbares Objekt. Alle verfügbare
Technik, darunter der Eimerkettenbagger ES 1291 und der Kran UB 162 mußten
eingesetzt werden. Auf einem Tieflader trat der Riese seine Fahrt nach Cottbus-Branitz
an und kam vor dem Marstall, den damaligen Ausstellungsräumen der
Naturwissenschaftlichen Abteilung des Museums Cottbus, zur Aufstellung.
In Vorbereitung der Bundesgartenschau sollte der Stubben noch einmal seinen
Standort wechseln. Die Umsetzung in den Spreeauenpark erfolgte 1994 durch
die LAUBAG. Der Stubben fand nun seinen Platz als Eingangstor zum nachgestalteten
Tertiärwald und Kohlemoor. Leider wurde der Mammutbaumstubben am
19.10.1998 durch mutwillige Brandstiftung auf einer Seite verbrannt bzw.
beschädigt. Er ist aber immer noch eindrucksvoll genug, um ahnen
zu lassen, welche Baumriesen im tertiären Urwald wuchsen.

Transport
des Mammutbaumstubben
Schon 1992 hat André Standke als zeitweiliger
Mitarbeiter des Museums der Natur und Umwelt begonnen, als Ergänzung
zum Tertiärwald, Findlinge aus dem Tagebau Jänschwalde
ins Gelände bringen zu lassen. Auch diese Idee wurde durch
die BuGa aufgegriffen und eine Findlingsallee sollte die Anlage
ergänzen. Museum und NVN e.V. kümmerten sich beide um ihre
Verwirklichung. Konrad Grunert und Rolf Striegler suchten weitere
Findlinge auf der Deponie des Tagebaus Jänschwalde heraus und
bestimmten sie. Dabei wurde vor allem darauf geachtet, daß
die Sammlung spezielle Leitgeschiebe enthält, die nicht nur
interessante Schauobjekte sind, sondern auch einem hohen wissenschaftlichen
Anspruch gerecht werden. Die LAUBAG stellte die Findlinge zur Verfügung
und transportierte sie auch nach Cottbus. "Es ist gegenwärtig
die wohl schönste Präsentation von Findlingen im Land
Brandenburg." (SCHULZ 1996)
So konnte zur Bundesgartenschau 1995 eine interessante
Museumsanlage mit hohem Schauwert der Öffentlichkeit übergeben
werden, die mit sehr viel ehrenamtlichem Engagement entstanden ist. Diese
Anlage ist ein populärwissenschaftliches Anschauungsobjekt für
Schüler und jeden interessierten Bürger und gleichzeitig eine
touristische Attraktion, bei der Erholung mit Wissensvermittlung verbunden
werden. Sie fügt sich harmonisch in ihr Umfeld - Bundesgartenschau-Kerngelände,
Tierpark und Branitzer Park - ein.
Weiterführende Literatur
[1] STRIEGLER, U. (1985): Die fossile Flora des
Blättertons von Wischgrund, Teil I. - Natur u. Landsch. Bez.
Cottbus 7, S. 3-35, Cottbus
[2] MAI, D. H. (1989): Die fossile Flora des Blättertons
von Wischgrund und anderer gleichaltriger Fundstellen der Klettwitzer
Hochfläche, Teil II. - Natur u. Landsch. Bez. Cottbus 11, S.
3-44, Cottbus
[3] STRIEGLER, U. (1990): Paleobotanical Studies
in Lower Lusatia. - Proceedings of the Symposium "Paleofloristic
and Paleoclimatic Changes in the Cretaceous and Tertiary",
S. 233-237, Praha
[4] FISCHER, O. & STRIEGLER, U. (1991/92): Die
fossile Flora des Blättertons von Wischgrund, Teil III. - Natur
u. Landsch. Niederlausitz 13, S. 12-26, Cottbus
[5] STRIEGLER, U. (1993): Der Tertiärwald von
Cottbus - Ein nachgestalteter Urwald der Braunkohlenzeit. - Nat.
u. Landsch. Niederlausitz 14, S. 89-97, Cottbus
[6] STRIEGLER, U. & R. (1994): Spaziergang im
Tertiärwald - Auf dem BUGA-Gelände wurde die Busch- und
Baumflora der Ur-Elbe von Wischgrund angepflanzt. - Cottbuser Heimatkalender
1995, S. 58-63, Cottbus
[7] STRIEGLER, U. (1995): Niederlausitzer Tertiärwald
- Außenanlage des Museums der Natur und Umwelt Cottbus. -
Faltblatt Niederlausitzer Erdgeschichte 2, hrsg. Naturwissenschaftlicher
Verein der Niederlausitz e.V. Cottbus
[8] STRIEGLER, U. (1996): Der Tertiärwald von
Cottbus.- Brandenb. Geowiss. Beitr. 3, 1, S. 69-80, Kleinmachnow
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