Museum der Natur und Umwelt Cottbus


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Niederlausitzer Tertiärwald

Eine umfangreiche Aufgabe haben sich das Museum der Natur und Umwelt Cottbus und der Naturwissenschaftliche Verein der Niederlausitz e.V. in Zusammenarbeit mit der BUGA GmbH mit der Gestaltung und Betreuung der musealen Anlage im Spreeauenpark gestellt, zu der Tertiärwald, Findlingsallee, Mammutbaumstubben und Kohlemoor gehören.

Der Tertiärwald stellt eine wissenschaftlich belegte Nachgestaltung der Flußlandschaft der Ur-Elbe dar, wie sie vor 10 Millionen Jahren in der Niederlausitz vorhanden war.

Blick in den Tertiärwald (Foto: I. Striegler)
Blick in den Tertiärwald

Anregung für die Gestaltung des Tertiärwaldes ergaben Pflanzenfossilien aus dem Bestand des Museums der Natur und Umwelt Cottbus, die von Museumsmitarbeitern in den Braunkohletagebauen der Niederlausitz geborgen wurden und als Originale in der Ausstellung des Museums besichtigt werden können.

Das Besondere und Einmalige ist dabei die Idee der Nachgestaltung einer konkreten Fundstelle mit all ihren Biotopen und Besonderheiten.

Abb.: Fossiles Amberbaumblatt

Fossiles Amberbaumblatt, Foto: StrieglerDer Blätterton von Wischgrund (ehemaliger Ortsteil von Kostebrau bei Lauchhammer, 45 km südwestlich von Cottbus) ist innerhalb des Flußsystems der Ur-Elbe (miozäne Raunoer Schichten der Klettwitzer Hochfläche) in einem ruhigen Altwasserarm abgelagert worden, wo sich Pflanzenteile wie Samen, Früchte, Zapfen, Holz und vor allem Blätter und Nadeln, die von den Gewächsen der Umgebung ins Wasser gelangt sind, sehr gut erhalten haben.
Mehrere Tausend Tonplatten mit interessanten Pflanzenresten standen für die wissenschaftliche Untersuchung zur Verfügung, als deren Ergebnis wir wissen, wie die Wälder am Ufer der Ur-Elbe aussahen und welche Pflanzen im und am Wasser wuchsen.
Da die Bildung des Wischgrund-Tones während eines gemäßigten Klimas erfolgte, ist die in ihm eingeschlossene Pflanzenwelt ideal für eine Nachgestaltung mit heutigen Gehölzen geeignet.

Fossile Landschaft und Vegetation, die im Tertiärwald nachgestaltet wird

Der Altwassertümpel mit Wassernuß, Seerose und Schwimmfarn war von einem Schilf- und Riedgürtel umsäumt. In ganzjährig überschwemmten Senken, die nur bei extremer Dürre trocken fielen, bildeten Sumpfzypressen und Tupelobäume Sumpfwälder. Selbst Mammutbäume waren in etwas trockeneren Randbereichen anzutreffen. In häufig überschwemmten Uferregionen wachsende Pappeln und Weiden gehörten zur Weichholzaue. Den Fluß begleitete ein stark gegliederter, artenreicher Hartholz-Auwald, der vom jährlich wiederkehrenden Hochwasser des Flusses beeinflußt wurde, mit solchen für das heutige Mitteleuropa exotischen Bäumen wie Amberbaum, Fieberbaum (Sassafras), Kuchenbaum, aber auch Ahorn, Birne und Erle. In Gebieten mit starken Schwankungen des Grundwasserstandes, die nicht vom Flußhochwasser erreicht wurden und damit keinen ständigen Nährstoffeintrag erhielten, breiteten sich Moorgebüsche aus, die überwiegend durch Gagelstrauch, aber auch Rosmarinweide und Heide bestimmt wurden, überragt von einzelnen Magnolien. In extrem trockenen Perioden kam es häufig zu Bränden, was ein Zuwachsen mit Bäumen verhinderte. Höher gelegene, nicht vom Hochwasser beeinflußte Hügel und Uferwälle trugen Buchen- und Eichen-Mischwälder. Im Buchenwald kamen als Unterwuchs Ahorn, Kopfeibe und Saphirbeere vor. Der Eichen-Mischwald wurde durch Eichenarten geprägt, die wir aus Deutschland nicht kennen, wie mehrere Arten mit kastanienartigen Blättern und eine zerreichenähnliche Form. Die gefundenen Eichelhütchen weichen durch ihre Dornen von unseren einheimischen ab. An den trockensten Stellen wuchs die Kiefer.

 

 

Rekonstruktion der fossilien Flora von Wischgrund (Zeichnung: R. Striegler)
Abb.:
Rekonstruktion der fossilien Flora von Wischgrund
(Zeichnung: R. Striegler)

Die heutigen verwandten Arten der fossilen Pflanzen, die vor 10 Millionen Jahren gemeinsam in der Niederlausitz wuchsen, sind überwiegend in den sommergrünen Laub- und Mischwäldern (Buchenklima) der Nordhemisphäre, vereinzelt auch in den südlich anschließenden immergrünen Feucht- und Lorbeerwäldern (Virginia-Klima) verbreitet. So treffen wir ca. ein Drittel der Arten im östlichen bis südöstlichen Nordamerika, welches mit dem Stromgebiet des Mississippis auch ähnliche Landschaftsformen aufweist, ein weiteres Drittel in Ostasien und den Rest in Mittel- und Südeuropa sowie in Transkaukasien bis Nordiran an.
Im Tertiärwald sind deshalb Pflanzengesellschaften, die heute in unterschiedlichen Gegenden vorkommen, miteinander kombiniert.

Kohlemoor

Hier wird eine Moorlandschaft nachgestaltet, wie sie vor 17 Millonen Jahren, zur Zeit der Bildung des in den Tagebauen gewonnenen 2. Niederlausitzer Braunkohlenflözes, in weiten Teilen der Niederlausitz anzutreffen war.

Kohlemoor (Foto: S. Striegler)
Kohlemoor

Im Gegensatz zur Flußlandschaft des Tertiärwaldes war das Kohlemoor sehr nährstoffarm, es blieb vom Fluß, der Sedimentmaterial und Nährstoffe mitbrachte, weitgehend unberührt. Die Moorablagerungen bestanden fast nur aus Pflanzensubstanz als Ausgangsmaterial für die Kohlebildung.

In der Kohle sind gut erhaltene größere Pflanzenreste wie im Blätterton von Wischgrund selten. Untersuchungen der Braunkohle, meist im mikroskopischen Bereich, zeigen uns eine Abfolge verschiedener Moortypen, die sich in einem subtropischen Klima nacheinander, einer aus dem anderen entwickelten.

Heutige vergleichbare Pflanzen wachsen in subtropischen Gebieten Ostasiens, Nordamerikas und des Mittelmeergebietes.

Die Moorentwicklung begann mit Sumpfwald, in dem die Wasserfichte, eine Verwandte der Sumpfzypresse, wuchs. Der von diesem Moortyp gebildete Torf wurde zum Substrat für das folgende Buschmoor, ein dichtes immergrünes Moorgebüsch mit Magnolien und Heidekrautgewächsen. Wo der Boden fest genug war, wuchsen auch Eichen mit schmalen ganzrandigen Blättern, Spießtanne und Mammutbaum. Absenkung des Untergrundes und dadurch bedingter höherer Wasserstand führte zu einem Riedmoor (Grasmoor) mit Seggen und Wollgras, auf offenen Wasserflächen Seerosen und auf festeren Standorten Gagelsträucher. Bei Verlandung entwickelte sich daraus ein Kiefern-Waldmoor mit Fächerpalmen, Sicheltannen, Heidekrautgewächsen und Gagelsträuchern. Bei weiterer Verlandung folgte ein Schirmtannen-Hochmoor.
Diese verschiedenen Moortypen können sich in Abhängigkeit vom Wasserstand auch nebeneinander entwickeln, wie es in unserem Kohlemoor dargestellt wird.

Mammutbaumstubben

Der fossile Mammutbaum-Stubben wurde im Tagebau Klettwitz im 1. Lausitzer Flözhorizont gefunden. Er ist mit einem Stammdurchmesser von 3,20 m und einem Wurzelstockdurchmesser von 5,00 m das größte Sammlungsstück des Museums. Dieser Nadelbaum lebte vor 15 Millionen Jahren inmitten des Niederlausitzer Kohlemoores auf einer kleinen Sandkuppe und erreiche ein Lebensalter von etwa 1200 Jahren, wie an den Jahresringen abzählbar ist. Nach Holzuntersuchungen gehört der Stubben zur fossilen Art Sequoioxylon gypsaceum, die dem heutigen Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) entspricht.

Fossiler Mammutbaumstubben (Foto: S. Striegler)
Fossiler Mammutbaumstubben

Findlingsallee

Die während des Quartärs mit dem Inlandeis aus Skandinavien und dem Ostseeraum bis in unser Gebiet transportierten Findlinge kommen in großer Anzahl durch den Braunkohlenbergbau zu Tage.

So konnte eine Kollektion von ausgewählten skandinavischen Leitgeschieben (z.B. Rapakiwi-Granit aus Finnland, Ostseeporphyr aus der Ostsee, Dalaquarzit aus Mittelschweden, Schonenbasalt aus Südschweden, Larvikit aus Norwegen) aus Niederlausitzer Tagebauen zu einer Findlingsallee zusammengestellt werden.

Teil der Findlingsallee (Foto: I. Striegler)
Teil der Findlingsallee

Von der Idee zur Museumsanlage

In Zusammenarbeit mit der Station Junger Naturforscher und Techniker wurde 1985 von Ursula und Rolf Striegler (Mitarbeiter des Bereiches Geologie des Museums) mit der Verwirklichung ihrer Idee, den Tertiärwald als Nachbildung der Wischgrundflora zu gestalten, im Imkergarten der Station begonnen. In Abstimmung mit den Cottbuser Stadträten für Umweltschutz und Kultur fand man dann aber ein besser geeignetes Gelände von ca. 1 ha Größe zwischen Tierpark und Pressefestgelände in der Spreeaue mit feuchten Senken und dazu parallelen Wällen, ideal für das Nebeneinander der für Wischgrund nachgewiesenen Pflanzengesellschaften. Hier wurde 1987 begonnen, den Tertiärwald nach einer Konzeption von U. Striegler als Außenanlage des Museums der Natur und Umwelt anzulegen.
Erste Baumspenden kamen aus dem Forstbotanischen Garten Tharandt, dem Botanischen Garten Dresden und dem Arboretum des Naturkundemuseums Berlin.
Praktische Hilfe gab es von weiteren Museumsmitarbeitern und vom Jugendklub des Museums "Ludwig Leichhardt".
Seit der Gründung des Naturwissenschaftlichen Vereins der Niederlausitz e.V. übernahm er größtenteils die Betreuung des Tertiärwaldes, unterstützt durch Fördermittel des Ministeriums für Forschung, Wissenschaft und Kultur des Landes Brandenburg.

Als die Bundesgartenschau 1995 nach Cottbus kam, gab es einen weiteren Partner, denn der Tertiärwald wurde als Niederlausitz-typisches Element in die Schau einbezogen. In fast 15 Jahren ist der Tertiärwald schon zu einer anschaulichen Anlage herangewachsen, der ca. 750 Gehölze in über 100 verschiedenen Arten aufweist, von der Sumpfzypresse - der wohl typischsten Pflanze des Tertiärs - sind alleine 172 Exemplare vorhanden.

Im Rahmen der Bundesgartenschau wurde nach einer Konzeption von Dr. Wilfrid Schneider (Hoyerswerda) auch das Niederlausitzer Kohlemoor auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse nachgestaltet. Da die kohlebildenden Pflanzen in einem etwas wärmeren Klima wuchsen, als wir es heute haben, muß ein Teil, wie Palmen, Lorbeer, Zimtbaum und sogar die Wasserfichte, als Kübelpflanzen im Winter ins Kalthaus, was von der Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG) finanziell unterstützt wird.

Im Tagebau Klettwitz wurde 1982 die Oberfläche des Mammutbaumstubbens durch einen Bagger freigelegt und im Rahmen einer Sammelexkursion durch die damaligen Mitarbeiter des Museums Cottbus U. Striegler und R. Striegler sowie den Schüler Michael Steiner entdeckt. Der Fund wurde in einer mehrtägigen (!!!) Aktion durch die Kumpel im Tagebau geborgen. Mit seinen 22-25 t erwies sich der Stubben bald als ein schwer beherrschbares Objekt. Alle verfügbare Technik, darunter der Eimerkettenbagger ES 1291 und der Kran UB 162 mußten eingesetzt werden. Auf einem Tieflader trat der Riese seine Fahrt nach Cottbus-Branitz an und kam vor dem Marstall, den damaligen Ausstellungsräumen der Naturwissenschaftlichen Abteilung des Museums Cottbus, zur Aufstellung. In Vorbereitung der Bundesgartenschau sollte der Stubben noch einmal seinen Standort wechseln. Die Umsetzung in den Spreeauenpark erfolgte 1994 durch die LAUBAG. Der Stubben fand nun seinen Platz als Eingangstor zum nachgestalteten Tertiärwald und Kohlemoor. Leider wurde der Mammutbaumstubben am 19.10.1998 durch mutwillige Brandstiftung auf einer Seite verbrannt bzw. beschädigt. Er ist aber immer noch eindrucksvoll genug, um ahnen zu lassen, welche Baumriesen im tertiären Urwald wuchsen.

Mammutbaumstubben beim Transport (Foto: U. Striegler)
Trans
port des Mammutbaumstubben

Schon 1992 hat André Standke als zeitweiliger Mitarbeiter des Museums der Natur und Umwelt begonnen, als Ergänzung zum Tertiärwald, Findlinge aus dem Tagebau Jänschwalde ins Gelände bringen zu lassen. Auch diese Idee wurde durch die BuGa aufgegriffen und eine Findlingsallee sollte die Anlage ergänzen. Museum und NVN e.V. kümmerten sich beide um ihre Verwirklichung. Konrad Grunert und Rolf Striegler suchten weitere Findlinge auf der Deponie des Tagebaus Jänschwalde heraus und bestimmten sie. Dabei wurde vor allem darauf geachtet, daß die Sammlung spezielle Leitgeschiebe enthält, die nicht nur interessante Schauobjekte sind, sondern auch einem hohen wissenschaftlichen Anspruch gerecht werden. Die LAUBAG stellte die Findlinge zur Verfügung und transportierte sie auch nach Cottbus. "Es ist gegenwärtig die wohl schönste Präsentation von Findlingen im Land Brandenburg." (SCHULZ 1996)

So konnte zur Bundesgartenschau 1995 eine interessante Museumsanlage mit hohem Schauwert der Öffentlichkeit übergeben werden, die mit sehr viel ehrenamtlichem Engagement entstanden ist. Diese Anlage ist ein populärwissenschaftliches Anschauungsobjekt für Schüler und jeden interessierten Bürger und gleichzeitig eine touristische Attraktion, bei der Erholung mit Wissensvermittlung verbunden werden. Sie fügt sich harmonisch in ihr Umfeld - Bundesgartenschau-Kerngelände, Tierpark und Branitzer Park - ein.

Weiterführende Literatur

[1] STRIEGLER, U. (1985): Die fossile Flora des Blättertons von Wischgrund, Teil I. - Natur u. Landsch. Bez. Cottbus 7, S. 3-35, Cottbus

[2] MAI, D. H. (1989): Die fossile Flora des Blättertons von Wischgrund und anderer gleichaltriger Fundstellen der Klettwitzer Hochfläche, Teil II. - Natur u. Landsch. Bez. Cottbus 11, S. 3-44, Cottbus

[3] STRIEGLER, U. (1990): Paleobotanical Studies in Lower Lusatia. - Proceedings of the Symposium "Paleofloristic and Paleoclimatic Changes in the Cretaceous and Tertiary", S. 233-237, Praha

[4] FISCHER, O. & STRIEGLER, U. (1991/92): Die fossile Flora des Blättertons von Wischgrund, Teil III. - Natur u. Landsch. Niederlausitz 13, S. 12-26, Cottbus

[5] STRIEGLER, U. (1993): Der Tertiärwald von Cottbus - Ein nachgestalteter Urwald der Braunkohlenzeit. - Nat. u. Landsch. Niederlausitz 14, S. 89-97, Cottbus

[6] STRIEGLER, U. & R. (1994): Spaziergang im Tertiärwald - Auf dem BUGA-Gelände wurde die Busch- und Baumflora der Ur-Elbe von Wischgrund angepflanzt. - Cottbuser Heimatkalender 1995, S. 58-63, Cottbus

[7] STRIEGLER, U. (1995): Niederlausitzer Tertiärwald - Außenanlage des Museums der Natur und Umwelt Cottbus. - Faltblatt Niederlausitzer Erdgeschichte 2, hrsg. Naturwissenschaftlicher Verein der Niederlausitz e.V. Cottbus

[8] STRIEGLER, U. (1996): Der Tertiärwald von Cottbus.- Brandenb. Geowiss. Beitr. 3, 1, S. 69-80, Kleinmachnow


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