|
Die Eem-Grabung in Klinge (1/2/3)
Das Klinger Mammut
Ein besonderer Fund ist das erstmalig von SCHROEDER
& STOLLER (1908) in einem vorläufigen Bericht erwähnte
Mammutskelett, das im Unteren Torf der Gotthardtschen Tongrube geborgen
worden ist und heute im Naturkundemuseum Berlin bewahrt wird. Erst
1996 wurde es von K. FISCHER ausführlich beschrieben, der darauf
hinweist, dass es das erste Mammutskelett in Deutschland überhaupt
ist. Es handelt sich um ein erwachsenes weibliches Tier, das mit
2,90 m Höhe nur eine geringe Körpergröße aufweist.
Besonderes Interesse erlangt es durch eine Zahnwechselanomalie sowie
durch die Fundposition in einem hochwarmzeitlichen Schichtkomplex.

Gefundene Skelett-Teile
des Mammuts
Es war geplant, eine Nachbildung des Skeletts im
Museum der Natur und Umwelt Cottbus als besondere Attraktion aufzustellen.
1991 war es schon in den Bauplänen für die Rekonstruktion
des Marstalls, Schloss Branitz, dem damaligen Sitz des Museums,
berücksichtigt. Durch eine Panne ist es schließlich in
die Kreisverwaltung nach Forst gekommen.
Besucherbetreuung
Die Schichten von Klinge sind auch heute noch für
viele Fachkollegen von Interesse. Spezialisten aus dem Ausland beteiligen
sich an der Auswertung der Grabungsergebnisse. Exkursionen der Gesellschaft
für Geowissenschaften führten 1986 und 1991 nach Klinge. Den
Höhepunkt bildete eine Exkursion von Fachkollegen anlässlich
des Internationalen Quartärkongresses 1995 in Deutschland. Aber
auch interessierten Laien wird die Fundstelle vorgeführt. Lange
Zeit hatte das Museum eine Exkursion für Schulklassen unter dem
Thema "Vom Torf zur Kohle" im Angebot, was reichlich genutzt
wurde. Gegenwärtig ist es unter Aufsicht des Museums möglich,
den Aufschluss zu besichtigen und auch Kleinfossilien zu sammeln.
Naturdenkmal / Schutz als Geotop
Der größere westliche Teil der Fundstelle
soll jedoch nicht abgebaut werden. Als sich nach der politischen
Wende die Perspektiven des Braunkohlenbergbaus grundlegend änderten
und der Aufschluss des neuen Tagebaus Jänschwalde-Süd
überflüssig wurde, setzte sich der Fachbereich Geologie
des Museums für den Schutz des inzwischen zweifelsfrei als
Eem bestätigten Warmzeit-Vorkommens von Klinge ein. Bereits
1991 wurde deshalb mit der Lausitzer Braunkohle AG Verbindung aufgenommen,
damit der Betrieb
1. den Fundpunkt in seine weiteren Planungen aufnimmt,
2. die weitere Auffüllung der ehemaligen Tongrube
mit Müll verhindert.
Mit Unterstützung vieler Partner wurde schließlich
erreicht, dass die Abgeordneten im Frühjahr 2000 den Beschluss
fassten, einen Teil des Aufschlusses unter Naturschutz zu stellen.
Aber erst ein nachfolgendes Nutzungskonzept, das Frau F. GRUNE unter
Mitwirkung vor allem von Frau HÄNSEL (Lausitzer und Mitteldeutsche
Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH), Herrn Dr. KUPETZ und dem Fachbereich
Geologie des Museums erarbeitete, sicherte die nötigen Finanzmittel
zur geotechnischen Sicherung des Vorkommens bei der Sanierung der
Südrandböschung des Tagebaus Jänschwalde.
|