Museum der Natur und Umwelt Cottbus


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zum Teil 3: Klinger Mammut, Besucher-Betreuung, Naturdenkmal


Die Eem-Grabung in Klinge (1/2/3)

Zur Geschichte des Aufschlusses

Der kleine Ort Klinge, von dem nach der Überbaggerung durch den Tagebau Jänschwalde 1985 zwar nur noch ein kleiner Rest übrig blieb, ist trotzdem bei vielen Quartärgeologen in aller Welt bekannt. Denn vor reichlich 100 Jahren wurden hier beim Abbau von Ton für die Ziegelproduktion erste Knochen von Großsäugetieren sowie eine Vielzahl interessanter Pflanzenreste (75 Arten) aus der Eiszeit gefunden.

Der naturwissenschaftlich interessierte Cottbuser Stadtrat Hugo RUFF (1843-1924), Mitglied der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Altertumskunde, sorgte damals dafür, daß die Klinger Funde wissenschaftlich bearbeitet wurden. A. NEHRING, Wirbeltier-Paläntologe und Professor an der Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule, übernahm diese Aufgabe und besuchte in der Folgezeit mehrfach die Klinger Tongruben. Zu Ehren von Ruff benannte er nach der rechten Geweihschaufel eines jugendlichen Riesenhirschs, die im Oberen Torf gefunden worden ist und immerhin 1,20m maß, eine besondere Riesenhirsch-Rasse mit dem Namen Cervus megaceros var. Ruffii (Heute wird dieser Fund der Art Megaloceros giganteus zugeordnet).


 

 


Schichtenfolge in der Schmidtschen Tongrube.
Zugeordnet sind die früheren Säugetierreste.

In der Folgezeit wurden weitere Knochen gefunden. Prominente Wissenschaftler dieser Zeit, wie K. KEILHACK, H. CREDNER, F. WAHNSCHAFFE, E. POTONIE, C. A. WEBER, A.G. NATHORST, aber auch Laienforscher, wie der Luckauer Arzt R. BEHLA, besuchten die Fundstellen in Klinge oder bearbeiteten Funde und Fundumstände. Eine rege wissenschaftliche Diskussion drehte sich um die Frage, welchem der beiden damals bekannten Interglaziale (= Zwischeneiszeiten, Warmzeiten) die Klinger Schichten zugeordnet werden müssen. NEHRING, der die meisten wissenschaftlichen Beiträge über Klinge veröffentlicht hat, neigte auf Grund urtümlicher Merkmale des in Klinge gefundenen Biber-Unterkiefers sowie wegen des reichlichen Vorkommens von Samen der in Europa ausgestorbenen Seerose Brasenia dem älteren Interglazial zu. Auch die häufig auftretenden Samen der Krebsschere, die damals den Botanikern auf Grund der überwiegend vegetativen Vermehrung dieser Wasserpflanze noch nicht bekannt waren und erst nach intensiver Nachsuche in einem See durch den Geologen K. KEILHACK als Krebsschere erkannt wurden, trugen zu dieser Einschätzung bei, der aber schon damals widersprochen wurde und die durch moderne Pollenuntersuchungen von K. ERD und M. SEIFERT widerlegt ist.


Geologische Skizze des Interglazialvorkommens von Klinge (ältere Dominalgrube) im heutigen Anschnitt (geol. Aufnahme: R. und U. Striegler)

Weichsel-Glazial: 1 - Sande
Interglazial: 2 - Torf, 3 - Ton und Tonmudde, 4 - Ton mit Torflagen, 5 - Lebertorf
Saale-III-Glazial: 6 - Bänderton, 7 - glazifluviatile Sande, 8 - Grundmoräne
Saale-II-Spät - Saale-III-Frühglazial: 9 - Tranitzer Fluviatil

(Eingetragen sind die eingemessenen Profilteile, Entwurf: R. und U. Striegler)


Die letzten Wirbeltierfunde von Klinge sind 1908 von H. SCHROEDER & J. STOLLER beschrieben worden. Sie hatten in der Groscheschen Tongrube Skelettreste eines Wildrindes sowie das ziemlich vollständige Skelett eines Mammuts geborgen. Damit umfasst die Liste der in Klinge gefundenen Wirbeltiere folgende Arten: Elch, Rothirsch, Riesenhirsch, Wildrind, Rentier, Wildpferd, Nashorn, Mammut, Fuchs, Biber, Sumpfschildkröte, Hecht und Schlei. Ein Teil dieser Funde wird im Museum für Naturkunde Berlin aufbewahrt, wohin nach dem Krieg auch die Sammlung NEHRINGS gelangt ist. Leider war ein großer Teil von NEHRINGS Funden unbeschriftet, so daß sie nicht mehr identifizierbar sind. Besonders bedauerlich ist das Schicksal der Riesenhirsch-Schaufel, die im Herbst 1936 von Prof. H. KIRCHNER, der norddeutsche Riesenhirsch-Funde wissenschaftlich bearbeitet hat, "in zerbrochenem Zustand unter einer Seitentreppe der Sammlung der Landwirtschaftlichen Hochschule" vorgefunden hat. Seitdem fehlt von diesem wertvollen Stück jede Spur. Das im Cottbuser Heimatmuseum gezeigte Exemplar, zuletzt bis 1945 in der Cottbuser Loge, war nach einer Notiz in den "Niederlausitzer Mitteilungen" eine Nachbildung. Sie ist 1945 ebenfalls verloren gegangen. Anlässlich der Sonderausstellung "100 Jahre Museum Cottbus" 1987 im Schloss Branitz fertigte der Holzbildhauer W. GALLER (damaliges Bezirksmuseum Cottbus) nach einer alten Zeichnung, der Originalbeschreibung und einem Foto der ersten Kopie eine meisterhaft gelungene zweite Kopie an, die nun im Museum der Natur und Umwelt Cottbus Am Amtsteich 17/18 zu sehen ist.

Mehrere Jahrzehnte war es still um die Klinger Tongruben. Sie waren längst ausgebeutet und zu Bade- und Angelteichen geworden, als sie Ende der 70er Jahre wegen der Grundwasserabsenkung für den Tagebau Jänschwalde trockenfielen. Bei einer Begehung der ehemaligen Schulz/Schmidtschen Tongrube und der alten Dominialgrube durch den Museumsmitarbeiter R. STRIEGLER und den Bezirksbodendenkmalpfleger Dr. G. WETZEL 1984 wurde zwischen beiden Gruben ein fast vollständiger Beckenquerschnitt vorgefunden, der als Damm (offenbar als Besitzgrenze zwischen beiden) stehen geblieben war, was die Möglichkeit bot, die Klinger Schichten erneut zu untersuchen. Die Werkleitung des damaligen Braunkohlenwerks Cottbus kam freundlicherweise der Bitte nach, beim weiteren Tagebaufortschritt den Damm, der eigentlich zur Überbaggerung vorgesehen war, zu schonen. Beim Passieren des Brückenverbands 1985 wurde die Südmarkscheide um 40 m eingezogen, so dass der wertvolle Interglazialaufschluss erhalten blieb. Er wird seitdem von den geologischen Mitarbeitern des damaligen Bezirksmuseums Cottbus, heute des Museums der Natur und Umwelt Cottbus, wissenschaftlich untersucht. Eine wichtige Aufgabe dabei ist das Sammeln von fossilen Pflanzen- und Tierresten.

weiter mit Teil 3...


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